In den Siebzigerjahren führte das Aufkommen von Grossverteilern sowie die Eröffnung erster grosser Einkaufscentern zur Schliessung zahlreicher kleiner Quartierläden. So sah sich auch der Milchladen in der Länggasse gezwungen, seine Türe für immer zu schliessen. Zur selben Zeit entdeckten die ersten Konsumenten die Wichtigkeit einer ökologischen und nachhaltigen Landwirtschaft und somit auch die Vorzüge von biologischen Produkte und kurzen Transportwegen.
Eine Gruppe politisch linksorientierter Studenten ergriff 1980 die Gelegenheit, den kleinen Milchladen an der Hallerstrasse 1 (von dort auch der Name „Hallerladen“) zu übernehmen und in einen Bio-Quartierladen umzuwandeln, welcher am 17. August 1980 eröffnet wurde.
Der Laden profitierte bereits von Anfang an von grossem Interesse bei der Kundschaft. Ein Grund dafür dürfte die Tatsache gewesen sein, dass dort Produkte verkauft wurden, welche ausserhalb kaum oder überhaupt nicht erhältlich waren. Einerseits war es dieser Gruppe wichtig, den Anbau biologischer Lebensmittel voranzutreiben und den regionalen Bauern einen zusätzlichen Absatzkanal zu bieten.

 

Andererseits nutzten sie das kleine Verkaufsgeschäft auch dazu, die Menschen über die Vorzüge von Bio-Produkten zu informieren und für ihre Idee zu begeistern. In dieser Zeit wurde auch das „Forschungsinstitut für biologischen Landbau“ gegründet und ausser dem Bio-Gütesiegel Demeter gab es noch keine weiteren. Richtlinien für Bio-Produkte existierten nicht und der Kauf solcher Artikel war damals in Grossverteilern noch lange nicht möglich.
Das Sortiment des Hallerladens beschränkte sich am Anfang auf Gemüse, Früchte, Brot, Getreide und Milchprodukte. Ein Grund dafür, dass damals nicht mehr angeboten wurde, war die Tatsache, dass ansonsten noch gar keine Produkte in der gewünschten Qualität verfügbar waren. Die Produkte wurden mit einem eigenen Fahrzeug auf dem Markt, bei den Bauern oder in der Käserei abgeholt und nach Bern gefahren. Einmal in der Woche fand eine Teamsitzung statt, wo unteranderem darüber verhan-delt wurde, welche Produkte neu ins Sortiment aufgenommen werden sollen.


Nach etwa 10 Jahren arbeitete kaum noch jemand aus der Gründungsgruppe im Hallerladen.
Der Laden wurde immer mehr von ausgebildetem Verkaufspersonal geführt. Das Sortiment vergrösserte sich laufend und die Nachfrage stieg, was dazu führte, dass erstmals die Millionengrenze beim Umsatz geknackt wurde.


Um das Jahr 2000 musste der Hallerladen immer mehr gegen die wachsende Konkurrenz ankämpfen, konnte sich aber gut verteidigen und erreichte einen Umsatz von CHF 1.5 Mio. Erstmals wurde eine Geschäftsleitung angestellt, welche die immer schwieriger werdende Selbstverwaltung ablöste. Die Produzenten begannen damit, die Ware selbst in den Laden zu liefern. Es wurde zu einer Herausforde-rung, die Kosten im Griff zu halten, da die Abläufe immer komplexer und komplizierter wurden und auf der kleinen Ladenfläche keine Umsatzsteigerung mehr möglich war. Die Suche nach einem alternativen Standort wurde intensiviert.


25 Jahre nach der Eröffnung des Geschäfts zog der Laden innerhalb des Quartiers um. Seither befindet er sich an der Länggassstrasse 30. Rund 4,5x grösser präsentiert sich der Hallerladen seither selbstbewusster, moderner und offener. Unverändert geblieben sind aber die Leitideen der Gründerzeit. Heute beschäftigt der Hallerladen 18 Mitarbeiter, die meisten von ihnen arbeiten Teilzeit. Das Sortiment umfasst rund 4000 Artikel.